Alles über Kastanien – Herkunft, Sorten, Anbau und Verwendung
Herkunft der Kastanie
Die Edelkastanie stammt vermutlich aus dem Raum Griechenland. Die genaue Herkunft lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen, da es verschiedene Theorien dazu gibt.
Die Europäische Edelkastanie (Castanea sativa) wird seit Jahrhunderten als wertvolle Nahrungsquelle genutzt. Aufgrund ihres hohen Gehalts an Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen war sie früher besonders als kalorienreiche Winternahrung von großer Bedeutung.
Kastaniensorten
Ecker 1
Die Sorte Ecker 1 ist eine der am weitesten verbreiteten Edelkastaniensorten in Österreich.
Eigenschaften:
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große Früchte
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sehr guter Geschmack
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sehr frühe Ernte
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hoher Ertrag
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benötigt keinen Befruchter
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winterhart
Bouche de Bétizac
Die Sorte Bouche de Bétizac ist eine der am häufigsten angebauten Kastaniensorten in Europa.
Eigenschaften:
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sehr große Früchte
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hervorragender Geschmack
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resistenter gegen Rindenkrebs
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resistent gegen die Kastaniengallwespe
Diese Sorte benötigt einen Befruchter, zum Beispiel:
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Ecker 1
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Marsol
Marsol
Die Sorte Marsol gewinnt auch in Österreich zunehmend an Bedeutung.
Eigenschaften:
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große Früchte
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guter Geschmack
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sehr gute Befruchtersorte für Bouche de Bétizac
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Ernte etwas später als bei Ecker 1
Ecker 2
Die Sorte Ecker 2 ist eine Kreuzung aus europäischen und chinesischen Kastanien.
Eigenschaften:
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große Früchte
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guter Geschmack
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leicht schälbar
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sehr frühe Ernte (Anfang September)
Diese Sorte benötigt einen Befruchter wie:
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Marsol
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Ecker 1
Förderungen für Edelkastanien
Für Bio-Betriebe gibt es derzeit Förderungen für Edelkastanienplantagen.
Förderhöhe:
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etwa 500 € pro Hektar
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zusätzlich 200 – 340 € pro Hektar für Erosionsschutz
Voraussetzung ist eine Pflanzdichte von mindestens 100 Bäumen pro Hektar.
Kastanie oder Maroni – der Unterschied
Grundsätzlich gilt:
Alle Maroni sind Kastanien – aber nicht alle Kastanien sind Maroni.
Der Begriff Maroni stammt aus dem Handel und bezeichnet besonders hochwertige Kastanien mit bestimmten Eigenschaften.
Typische Merkmale von Maroni:
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große Früchte
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weniger als 90 Stück pro Kilogramm
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rötliche Schale
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süßlicher Geschmack
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gute Schälbarkeit
Wenn Kastanien diese Eigenschaften erfüllen, dürfen sie als Maroni bezeichnet werden.
Düngung von Kastanienbäumen
Für eine gesunde Entwicklung und gute Erträge ist die richtige Düngung von Kastanienbäumen sehr wichtig. Sie sorgt dafür, dass die Bäume kräftig wachsen und widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Stressfaktoren sind.
Wir verwenden auf unserem Betrieb hochwertige Bio-Dünger, insbesondere:
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Tribu
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Patentkali
Diese Produkte werden künftig auch über unseren Online-Shop erhältlich sein.
Unsere Kastanienbäume sind derzeit etwa 10 Jahre alt. Für diese Bäume verwenden wir im Frühjahr folgende Düngermenge pro Baum:
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ca. 2 kg Tribu
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ca. 1 kg Patentkali
Der Patentkali-Dünger kann auch im Herbst ausgebracht werden, um die Bäume besser auf den Winter vorzubereiten. Kalium wird in der Pflanze gespeichert und steht über längere Zeit zur Verfügung.
Aus diesem Grund bringen wir beide Dünger meist gemeinsam im Frühjahr aus.
Eine ausgewogene Düngung sorgt für:
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kräftige und vitale Kastanienbäume
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gutes Wachstum
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stabile Erträge
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eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten
Die richtige Nährstoffversorgung ist daher ein wichtiger Bestandteil für gesunde und langlebige Kastanienplantagen.
Kastanienholz
Kastanienholz gilt als hochwertiges Wertholz und wird besonders von Tischlern geschätzt.
Eigenschaften:
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sehr hart
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schöne Maserung
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hohe Widerstandsfähigkeit
Es wird häufig verwendet für:
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Möbel
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Bauwerke
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Weinbau- und Hopfenpfähle
Gerade im Wein- und Hopfenbau wird Kastanienholz wegen seiner langen Haltbarkeit sehr geschätzt.
Krankheiten bei Kastanienbäumen
Rindenkrebs (Cryphonectria parasitica)
Der Rindenkrebs greift die Rinde des Kastanienbaumes an und kann die Versorgung des Baumes mit Wasser und Nährstoffen unterbrechen.
Typische Symptome:
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eingesunkene Stellen in der Rinde
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rote Pusteln
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absterbende Äste
Behandlungsmöglichkeiten:
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Einbringung von Hypovirulenz
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Ausschneiden befallener Rindenstellen
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sorgfältige Hygiene bei Schnittarbeiten
Die Sorte Bouche de Bétizac zeigt eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen diese Krankheit.
Schädlinge
Kastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus)
Die Kastaniengallwespe stammt ursprünglich aus Japan und legt ihre Eier in die Knospen der Kastanienbäume.
Folgen:
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Wachstumsstörungen
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Ertragseinbußen von bis zu 80 %
Bekämpfungsmöglichkeiten:
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natürlicher Gegenspieler Torymus sinensis
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resistente Sorten wie Bouche de Bétizac
Wühlmäuse
Wühlmäuse können große Schäden verursachen, da sie die feinen Wurzeln der Kastanienbäume fressen.
Mögliche Schutzmaßnahmen:
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natürliche Feinde fördern
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Greifvögel ansiedeln
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Narzissen pflanzen (abschreckender Geruch)
Wildverbiss
Junge Kastanienbäume sollten gegen Wildverbiss geschützt werden.
Möglichkeiten:
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Schutznetze
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Zäune
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Kalk-Sand-Anstrich an der Rinde
Spätfrost
Spätfrost kann besonders jungen Kastanienbäumen schaden.
Schutzmaßnahmen:
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geeignete Pflanzstandorte
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Kalkanstrich an der Rinde
Ernte der Kastanien
Die Ernte der Kastanien erfolgt bei uns derzeit noch überwiegend von Hand. Da unsere Plantagen noch nicht sehr groß sind, lohnt sich der Einsatz einer eigenen Erntemaschine derzeit nur bedingt.
Die reifen Kastanien fallen im Herbst von selbst vom Baum und werden anschließend vom Boden gesammelt. Erfahrene Erntehelfer schaffen dabei etwa 20 bis 25 kg Kastanien pro Stunde.
Mittlerweile haben wir auch bereits verschiedene Erntemaschinen getestet, um die Arbeit zu erleichtern. Leider hat sich bisher noch keine Maschine wirklich bewährt. Häufig werden bei der maschinellen Ernte neben den Kastanien auch Erde, Steine und andere Fremdkörper aufgenommen, was die Qualität der Ernte beeinträchtigen kann.
Durch die händische Ernte können wir unsere Kastanien sorgfältig auswählen und beschädigte Früchte aussortieren. Dadurch bleibt die Qualität unserer Kastanien besonders hoch.
Die Erntezeit für Kastanien in Österreich beginnt je nach Sorte meist im September und dauert bis Ende Oktober.
Vermarktung von Kastanien
Die Nachfrage nach Kastanien ist derzeit hoch. In Österreich werden jährlich tausende Tonnen Kastanien importiert.
Regionale Kastanien bieten viele Vorteile:
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kürzere Transportwege
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höhere Frische
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nachhaltigere Produktion
Außerdem werden Kastanien in Österreich meist früher geerntet als in südlichen Ländern.
Zubereitung von Kastanien
Das Braten von Kastanien hat bei uns eine lange Tradition.
Perfekt gebratene Kastanien sollten:
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vollständig durchgegart sein
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nicht verbrannt sein
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leicht schälbar sein
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einen süßlichen Geschmack haben
Wir braten unsere Kastanien traditionell mit einem selbst gebauten Ofen und einer speziell konstruierten Pfanne.
Die Bratkunst wurde über Generationen in unserer Familie weitergegeben.
Auf Wunsch braten wir Kastanien auch direkt vor Ort bei Veranstaltungen.
Haltbarkeit von Kastanien
Kastanien sind eine relativ schnell verderbliche Frucht und sollten möglichst frisch verzehrt werden.
Eine bewährte Methode zur Lagerung:
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Kastanien in Wasser einlegen
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schwimmende Früchte entfernen
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Wasser täglich wechseln
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etwa 7 Tage im Wasser lagern
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anschließend trocknen lassen
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kühl und trocken lagern
Vor der Verwendung empfiehlt es sich, die Kastanien nochmals 30 Minuten in Wasser einzulegen.
Mit dieser Methode können Kastanien sogar bis Weihnachten haltbar bleiben.

